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Warum Arbeit nicht am Arbeitsplatz geschieht

Erstellt am 16.01.2011 von Toto - 1 Kommentar

Vor meiner Zeit als Angesteller bzw. Geschäftsführer war ich viele Jahre Freelancer. Schon während meiner Elbkutterzeit stellten Torben und ich uns oft die Frage, wo denn die Zeit geblieben sei und warum man den Tag/die Woche/den Monat noch so gut wie nichts erledigt bekommen hätte. Jetzt als Angestellter erlebe ich die letzten zwei Wochen ganz extrem, dass Firmen in der heutigen Zeit ihren Angestellten nicht erlauben, Arbeit effektiv zu erledigen, sondern eher zu verwalten.

Als Freelancer war meine Arbeitszeit recht einfach strukturiert:

  • Am Morgen E-Mails abrufen, alles wichtige direkt abarbeiten. Arbeiten, die kein fünf Minuten dauern erledigen, den Rest kategorisieren und in den Monatsplan einarbeiten
  • Nach den E-Mails ging es an meinen “Heute zu tun” Zettel. Der Zettel war recht einfach strukturiert, nicht in der Reihenfolge in der die Dinge erledigt werden sollten, sondern aufgeteilt nach Leistung die die Aufgaben von mir fordern. Aufgaben mit hohen Leistungsanforderungen erledigte/begann ich morgens, idealerweise bis zum Mittag.
  • Dann ging es zum Mittagessen, ohne E-Mails zu prüfen oder den IM anzusehen.
  • Nach dem Essen wurden dann wieder E-Mails abgerufen und wie oben einsortiert/erledigt.
  • Nun wurden Aufgaben mit geringen geistigen Anforderungen erledigt. Idealerweise bis zum Abend.

Das ging erstaunlich gut, ich hatte meine Ruhe, war ausgeglichen und konnte konzentriert arbeiten. Selbst Aufgaben mit drohender Deadline und hohen Anforderungen konnten so erledigt werden, denn jede noch so schlimme Aufgabe unterteilt sich in Arbeit mit hoher geistiger Leistung und Fleißarbeit. Man kann seinem Gehirn also lohnende Pausen geben und trotzdem arbeiten.

Anrufe und IM Nachrichten konnte man blocken, wenn man gar nicht unterbrochen werden wollte oder man rief zurück, wenn man zumindest einen Teilabschluss erreicht hatte und gezielt wieder bei der unterbrochenen Arbeit ansetzen konnte. Ich hatte trotz vieler Arbeit ein entspanntes Leben und einen guten Schlaf, denn selten wälzte ich mich im Bett, weil ich in Gedanken noch bei den Problemen der Arbeit war.

Ich hörte Musik, hatte den Fernseher an, surfte im Internet, chattete mit Freunden und hatte meine Arbeit dennoch erledigt, denn ich unterbrach meine Arbeit, als ich es wollte und nur selten, weil andere mich brauchten.

Mit Gründung der Firma wurde dies anders. Nur weil man jetzt eine GmbH war, war man (und wir damit auch) der Meinung, man müsse ständig erreichbar sein, der Kunde darf zu jeder Zeit alles verlangen und der Kunde entscheidet, wann welche Aufgabe erledigt werden darf. 50% des Tages verbrachten wir damit, aus unseren Tätigkeiten herausgerissen zu werden und Dinge zu tun, dir wir nicht zu dem Zeitpunkt erledigen wollten.

Seit zwei Wochen bin ich nun Angestellter und genieße es richtig. Viele Sorgen und ungeliebte Tätigkeiten sind verschwunden bzw. nicht mehr mein Problem. Und doch stelle ich fest, dass ich nun noch weniger Zeit habe, Arbeit zu erledigen und das obwohl ich genauso viel arbeite. Ende des Monats soll ein Programm fertig sein, es habe Priorität A und alles andere sei unwichtiger laut meines Chefs. Und trotzdem unterbricht eben dieser und meine Kollegen mich so häufig, dass ich kaum mit der eigentlichen Aufgabe begonnen habe. Meetings hier, Fragen dort, Notfälle da drüben und alles zusammen zu mir, bitte.

Anfangs machte ich mir noch meine Pläne aber seit ca zwei Jahren halte ich sie für sinnlos, denn meine Zettel sahen oft am Abend genauso aus wie am Morgen. Dafür hatte ich aber zwei weitere Zettel mit ungeplanten aber erledigten Aufgaben. Oft kam man ins Büro und fing mit dem gleichen Zettel vom Vortag an. So machte das keinen Sinn, aber ohne Zettel und Plan geht es auch nicht. Denn wenn es mal ruhig war, dann konnte ich nicht einfach auf einen Zettel schauen und loslegen. Nein, ich musste erstmal überlegen, was denn überhaupt noch zu erledigen sei und welche Aufgabe davon nun wichtig sei.

Aufgrund eines Videos, das ich heute geschaut habe, habe ich dies einmal reflektiert und mich entschlossen, Tugenden aus meiner Freelancer Zeit auf mein Angestelltendarsein zu übertragen. Das wird sicherlich sehr spannend werden, was Chef und Kollegen dazu sagen. Ich werde darüber berichten, wie ich meinen Arbeitstag versuche zu ordnen und ob es zu Erfolgen führt.

Hier nun noch mal das Video. 15 Minuten, die sich für jeden Manager lohnen und zum Nachdenken bringen sollten:

Kommentare

Woran Blogger scheitern | nonstyler am 6. Februar 2011 um 19:10

[...] werde diesen Weg gehen! Wie ist es mit Euch? In welcher Phase seid Ihr gerade und wohin soll Euer Weg [...]

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